Thursday, 22. january 2009 4 22 /01 /Jan. /2009 17:26

Bochum (Reuters) - In einem der spektakulärsten Steuer-Prozesse in der Geschichte der Bundesrepublik hat der ehemalige Post-Chef Klaus Zumwinkel gestanden, knapp eine Million Euro Steuern hinterzogen zu haben.

"Das war der größte Fehler meines Lebens. Zu diesem Fehler stehe ich und übernehme die volle Verantwortung", sagte er am Donnerstag vor dem Bochumer Landgericht. Laut Anklage hat Zumwinkel die Steuern über eine Stiftung in Liechtenstein hinterzogen. Das Gericht will am Montag sein Urteil über Zumwinkel fällen, der nach seinem Geständnis auf eine Bewährungsstrafe hoffen kann.

"Der mit der Anklage gegen mich erhobene Vorwurf trifft zu", sagte der einstige "Manager des Jahres". Er betonte: "Ich will hier reinen Tisch machen." Die Folgen seiner Tat seien schmerzlich gewesen. Er habe seinen Beruf gern ausgeübt, "mein Beruf war schon mein Leben". Er wolle sich aber nicht beklagen: "Ich habe mir die Folgen selbst zuzuschreiben". Seine Familie und er selbst hätten im vergangenen Jahr "bitter gebüßt". Zumwinkel sagte: "Ich habe sämtliche Steuern nebst Zinsen gezahlt, unverzüglich und vollständig. Ich bin mit den Finanzbehörden im Reinen."

Zumwinkel ist der bislang prominenteste Angeklagte in einer Reihe von Verfahren, die die Staatsanwaltschaft Bochum angestoßen hat. Der frühere Chef des Versandhauses Quelle führte seit 1990 die damalige Deutsche Bundespost, die er im Jahr 2000 an die Börse brachte. Wegen der Vorwürfe musste der Manager sein Amt an der Spitze der Post aufgeben und verlor auch seine Aufsichtsratsmandate, unter anderem als Chef des Kontrollgremiums bei der Telekom.



Zumwinkel, der in einem grauen Anzug vor Gericht erschienen war, versuchte, einen gefassten und ruhigen Eindruck zu erwecken. Der Manager, der sich mit seinem vollen Namen "Klaus Peter Richard Otto Zumwinkel" vorstellte, beschrieb, wie er als Sohn einer Kaufmannsfamilie vom Niederrhein zum Post-Chef aufstieg und die ehemalige defizitäre Bundesbehörde zu einem Dax-notierten Logistik-Riesen umkrempelte. Er habe "Werte für den Staat und damit den Steuerzahler" geschaffen. Als er seinen Rückzug aus dem Berufleben schilderte, zitterte seine Stimme. Er habe aus Angst vor Indiskretionen nicht früher reinen Tisch gemacht, beteuerte er. Heute wisse er, dass diese "Angst ein schlechter Ratgeber" war.


2009 werde er nun auf ein Netto-Gehalt von rund 600.000 Euro kommen, schätzte der Ex-Manager. Sein Vermögen in Aktien und Anlagen schätzte er - abzüglich der Steuer-Rückzahlungen - auf rund acht Millionen Euro. Zudem besitzt er eine Burg am Gardasee, deren Wert er auf fünf Millionen Euro taxiert.

aus de.reuters.com

von s.g. samorus (The Layman)
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