Monday, 19. january 2009
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Barack Obamas Amtseinführung wird ein historischer Moment, in jeder Hinsicht - sie wird wohl die größte und
teuerste aller Zeiten. Schon jetzt versinkt Washington im kollektiven Rausch.
Washington - Der Mann geht mitten auf dem Gehsteig, er trägt ein Porträt von Barack Obama hoch vor sich her, in Tuch
gewickelt. Es sieht aus wie eine Monstranz, und so ernsthaft schaut der Mann auch. Die Passanten-Menge teilt sich vor ihm, einige feixen, doch das stört den Mann gar nicht. Schließlich kommt er
nicht mehr weiter, ein Wagen ist auf dem Gehsteig geparkt.
DPA
Künftiger Präsident Obama: "Ohne Zweifel ist der Weg vor uns lang"
Aus dem Fahrzeug dröhnt laute HipHop-Musik, im offenen Kofferraum hat der Fahrer Obama-Poster angeordnet, sorgfältig
aufgereiht. Der Monstranz-Mann stoppt, ruft dem Poster-Verkäufer grinsend zu: "We Did It." Die Männer klatschen sich ab.
Es ist Sonntagmittag an der U Street in Washington. Eines der traditionellen Schwarzenviertel der Stadt, wo
Obama-Porträts an Häuserwände gesprüht sind - und im Lincoln Theatre, wo einst Duke Ellington Triumphe feierte, der Pianist dem Orchester vor dem Spielen "Yes, we can" zuruft.
Obama aß hier vorige Woche in Ben's Chili Bowl, einem berühmten Schnellrestaurant. Er wählte den "half-smoke", mit
Senf, Zwiebeln und Käse, bezahlte mit einem 20-Dollar-Schein. Kellner Jermaine Jefferson hat den Geldschein mit nach Hause genommen und in seine Bibel gelegt, genau auf die Lieblingsbibelstelle
seiner Mutter, so hat er es der "Washington Post" erzählt. "Ich werde ihn noch rahmen", wird Jefferson zitiert, "im Moment passt Gott darauf auf."
Dann spricht er kurz: "Ohne Zweifel ist der Weg vor uns lang, der Aufstieg steil. Aber vergesst nie, dass der wahre
Charakter unseres Landes sich nicht in den leichten Zeiten offenbart, sondern in den harten Momenten. Was mir Hoffnung macht, ist, was ich entlang dieser Mall sehe." Der Blick ist tatsächlich
beeindruckend. Auf der National Mall, dem langen Grünstreifen im Herzen Washingtons, drängen sich die Menschen - ein Vorgeschmack auf die Maga-Feier am Dienstag.
Samuel Jackson, der farbige Schauspielstar, erinnert die Menge bei seiner Ansprache an Rosa Parks, die 1955 ihren
Sitzplatz im Bus nicht für einen weißen Fahrgast aufgeben wollte - und so eines der wichtigsten Kapitel der US-Bürgerrechtsbewegung einläutete. "Ich wusste nicht, dass Geschichte geschrieben
wurde, ich wollte einfach nach Hause", zitiert Jackson die Bürgerrechtspionierin Parks. Die Menge jubelt.
Teuerste Amtseinführung aller Zeiten
Auch das ist das Besondere dieser Inauguration - diesmal weiß jeder: Jetzt wird Geschichte geschrieben. Die
Amtseinführung wird wohl die teuerste aller Zeiten werden, bis zu 160 Millionen Dollar Kosten wird das Spektakel kosten. 23.000 Polizisten sollen über den Präsidenten wachen, der Secret Service
hat die größte Bestellung aller Zeiten für kugelsicheres Glas ausgegeben, fünf Tonnen.
Die Parade nach der Vereidigung wird Familie Obama im hochgesicherten Präsidenten-Cadillac zurücklegen: "The Beast"
ist eine rollende Festung, die Türen sind so schwer wie Flugzeugtüren. Es ist ausgestattet mit Feuerlöschsystemen, Schusswaffen, Nachtsichtgeräten, Tränengaskanonen.
Entlang der National Mall sind 7000 mobile Toilettenhäuschen aufgebaut. "In Deutschland haben sie für einen Papstbesuch
einmal 8000 Häuschen installiert, aber in den USA hat es noch nichts Vergleichbares gegeben", sagt Conrad Harrell vom Häuschen-Aufsteller der "Washington Post". Und dann, fügt auch der
Toiletten-Oberaufseher hinzu: "Wir fühlen uns, als ob wir Teil der Geschichte sind."
aus spiegel.de